Gequirlte Sch…

Es gibt Erlebnisse, bei denen man dreimal nachdenken sollte, ob man sie ins Internet setzt oder nicht. Vor allem wenn man versucht seinen Ruf als seriöser Regisseur und Autor zu wahren. Allerdings gehts hier im Blog auch darum zu erzählen, was man bei einer solchen Produktion wie der unseren alles vergeigen kann … und deswegen schreibe ich es jetzt doch. Als Warnung.

Das wir hier gerade personell unterbesetzt sind, erschliesst sich dem Leser dieses Blogs recht schnell. Ebenso, dass es mir als Produzent mit massiver Eigenmittelvernichtung gerade schwer fällt nachts durchzuschlafen.  Zu allem Überdruss habe ich mir eingebildet noch ein exzellentes Kino-Treatment zur Drehbuchförderung schreiben zu müssen und auch zeitnah einzureichen, sowie einen weiteren TATORT zu entwickeln, damit ich wenigsten nicht ganz ohne Cash dastehe, wenn im Frühjahr REALITY-XL im Kasten ist.

Das mit dem TATORT hat geklappt. Das mit der Einreichung zur Drehbuchförderung war ein Desaster.

Drei Wochen lang habe ich, parallel zu den Vorbereitungen zu REALITY XL und dem Tatort-Drehbuch am Abend noch einen Kino-Stoff entwickelt, den ich Anfang September beim BMI einreichen wollte. So eine  schöne, schnelle Thriller-Geschichte, die mir schon seit Jahren im Kopf rumgeht. Ich ziehe mir also noch dieses Treatment aus dem Geist, arbeite es konsequent durch und denke, dass es gut geworden ist. Auf den letzten Drücker schaffe ich die Einreichung …. dreizehn(!) Exemplar, fett gebunden und mit Anträgen versehen … und schicke alles weg. Rechtzeitig.

Gestern Abend gebe ich das 14. Exemplar stolz meiner Frau (rechts), damit die mal sieht, was ihr Super-Mann neben Kind, Kegel, Tatort und REALITY XL so alles auf die Beine stellt. Während ich Fussball schaue, liest sie. Ich muss dazu sagen, dass meine Frau eine der besten Regieassistentinnen dieses Landes war, bevor sie Yogalehrerin und Mutter wurde. Sie ist also erfahren und hat schon viele Drehbücher gelesen.

So bin ich dann erst einmal baff als sie mit dem Treatment zu mir kommt und fragt: “Ist das Dein Ernst?” Sie braucht genau 10 Minuten um mein Script in seine erbärmlichen Einzelteile zu zerlegen und dann abschliessend festzustellen; “Das ist kein Bohn, sondern ein Witz!” Das Schlimme daran: Sie hat Recht. Und dann sagt sie noch: “Das hast Du doch noch nicht weggeschickt, oder?” Ui.

Tunnelblick beim Schreiben – zu viel Stress auf anderen Baustellen. Betriebsblindheit. Ich habe es dann gleich noch mal durchgeschaut und mir vorgestellt was ich von mir als Autor denken würde, wenn ich dieses Teil das erste Mal unvoreingenommen lesen würde. Ich würde mir vermutlich raten sofort den Beruf zu wechseln. Voll daneben. Klischeehaft, unsensibel, gehetzt. Gequirlte Scheisse, dreizehnmal gebunden und wohl schon auf dem Tisch des Gremiums. Hurra.

Ich habe noch am gleichen Abend versucht die Einreichung per Mail zu widerrufen und durch Drohungen, Bitten und Charme zu verhindern, dass man beim BMI aber auch nur einen Satz dieser hektischen Verhunze liest. Heute morgen kam der erlösende Anruf: Der Antrag wurde gelöscht, die Treatments liegen ungelesen im Müll. Gott sein Dank – der Ruf ist gerettet. Vorläufig.

Und was lernt der geneigte Leser daraus? Man sollte sich nicht übernehmen und gerade wenn Druck ist, die Schalte einen Gang tiefer legen. Damit man den Durchblick behält. Hätte nicht gedacht, dass mir nach 25 Jahren Filmgeschäft noch so ein dicker Fehler passieren kann.

Ich mache jetzt erst mal ein paar Tage Urlaub. Und dann kümmere ich mich nur noch um ein Projekt: REALITY XL.

Fotos © Frank Pauli, Tom Bohn

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Es geht voran!

Die ersten Vertragsentwürfe (Rückstellung) für Team und Zulieferer liegen auf dem Tisch und werden überprüft. Noch immer haben wir noch nicht den Vertrag gefunden, der zu uns und unserem Vorhaben passt, aber ich denke, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Unsere weibliche Hauptdarstellein steht auch noch nicht fest … die Dame unseres Herzens kommt offensichtlich nicht aus ihren bereits optionierten Verpflichtungen heraus. Obwohl sie unser Projekt wirklich “klasse” findet. Mal sehen.

Gutes gibt es aus der Produktionsecke zu vermelden: Studio Hamburg Technik findet unser Projekt so interessant, dass die Kollegen angeboten haben uns Licht und Bühne auf Komplett-Rückstellung zu geben. Wenn das kein Kompliment ist.

Obwohl es doch noch ein Weilchen hin ist, bis zum Drehbeginn: Es fängt langsam an zu kribbeln … und das ist gut so!

Tom Bohn

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Die Requisiteurin

Eine wahrer Allrounder ist unsere Requisiteurin Sabine Bauer. Ihr Lebenslauf liest sich ähnlich aufregend wie der von Hadschi-Halef Omar (Karl May):

Gelernte Arzthelferin, Einsätze bei der Strahlentherapie und Chirurgie in den Städtischen Kliniken in Darmstadt, Mitarbeiterin in einem Klimatechnikunternehmen, Hausfrau, Innenarchitektin beim Ausbau zweier Bauernhäuser, Aufbau und Führung eines Weinladens mit integrierter Espresso-Bar sowie Verkauf von Wohnaccessoires, Aufbau und Führung eines Internet- Cafes mit Restaurant in Indien als soziale Einrichtung uvm.

Zur Zeit ist sie selbstständig und leitet ihren Event-Service bei Planung und Durchführung von Veranstaltungen sowie Seminar-Betreuung und Raumgestaltung.

Sabine hat bereits mit großem Erfolg einen Spot von ATTAC ausgestattet und wird uns mit ihrer Erfahrung und Ihren Kontakten in Diessen eine unverzichtbare Hilfe sein.

Text: Tom Bohn, Foto © Sabine Bauer

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Drehverschiebung

So langsam zeichnet sich das Ende unseres Besetzungsmarathons ab und wenn diejenigen Schauspieler, die sich zu unserem Projekt sehr positiv geäussert haben, demnächst noch verbindlich zusagen, können wir sehr glücklich sein. Wie brachte es Emrah auf den Punkt: “Da bleiben keine Wünsche offen!”

Was jetzt schon klar ist: Wir werden wegen der Termine unserer Stars unseren Dreh um 14 Tage nach hinten schieben müssen. Das Schlechte daran: Eine riesige Telefon- und Mailaktion hat stattgefunden um zu checken, ob das Team, die Motivgeber und Unterkünfte mitziehen können. Das Gute daran: Alle sind mit dabei. Also ist der neue Drehtermin vom 24.1.11 bis 10.2.11. Und dabei bleibts jetzt auch …. Basta.

Text und Foto: Tom Bohn

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Der Line-Producer

Nachdem Tom das Maunzen wegen zuviel Arbeit überhaupt nicht mehr einstellt, hatte der LIEBE GOTT wohl ein Einsehen und sendete fruchtbare Wellen in die Hamburger Filmszene. Von diesen Wellen getroffen wurde Tim Koerbelin, der als freier Produktioner Kino- und Fernsehspiele auf die Beine stellt. Tim konnte nicht mehr anders, griff zum Hörer und informierte uns, dass er ab sofort unser Line-Producer ist, d.h. die Verträge mit den Darstellern und dem Team eintütet, fruchtbare Deals mit Technik-Firmen, der bayerischen Mafia und anderen Unterstützern ausklamüsert sowie dafür Sorge trägt, dass Tom ab sofort mit dem Zahlenjonglieren aufhört, sich um die nächste Fassung von REALITY kümmert und wieder zu meditieren anfängt. OM.

Text: Patti Schoene, Foto © Koerbelin

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