Eine Bilanz

Seit 10 Tagen läuft REALITY XL im Kino und in zehn Tagen bin ich endgültig auf einem neuen (Kino)Job. Meine vorerst letzte dienstliche Handlung für REALITY wird die Übergabe an unsere Partner von REX-FILM/Schröder Media sein, die dann mit der DVD/BluRAY-Promo in Deutschland/Österreich und der Schweiz beginnen werden.
Heute vor einem Jahr standen ein tolles Team, exzellente Schauspieler und ich noch im Radom in Raisting und wussten überhaupt nicht, wie die Sache ausgehen wird. Heute weiss ich schon ein bisschen mehr.
REALITY XL ist mein bisher bester Film geworden, finde ich. Das mag objektiv gesehen zweitrangig sein – ist aber für eine persönliche Bilanz der wichtigste Punkt. Als Zweites ist zu festzustellen, dass REALITY XL es nicht geschafft hat, sich an der Kinokasse so durchzusetzen, dass wir als Team und Schauspieler unsere Rückstellungen schon durch den Kinostart erhalten hätten.
Das war immer mein Ziel – und das haben wir verfehlt: Reality hat eine tolle Presse und inzwischen richtige FANS, hat aber das breite Publikum nicht erreicht. Ob das mit 20 Kopien und einem lächerlichen PR-Etat überhaupt möglich gewesen wäre, sei einmal dahin gestellt. Ich wollte furios starten, dann in Kopienzahl aufstocken und mindestens vier Wochen lang auf der A-Schiene unterwegs sein. Das hat nicht geklappt. Viele Kollegen sagen mir, dass “Ziemlich beste Freunde” einer der Hauptgründe für den verhaltenen, finanziellen Erfolg von REALITY XL an der Kinokasse ist. Der extrem gut laufende Arthaus-Film mag uns Zuschauer gekostet haben, aber ein Publikumsmagnet wäre REALITY XL auch ohne ihn nicht geworden: dafür ist er einfach zu speziell. Das weiss ich heute.
Und ich weiss inzwischen auch, dass es heute und zukünftig extrem schwierig ist/sein wird, solch spezielle Filme auf die große Leinwand zu bringen, ohne dabei draufzahlen zu müssen. Das ist eine Entwicklung die ungut und traurig ist.
Stolz macht es mich aber, dass wir mit REALITY XL in der Startwoche unter die ersten acht deutschen Filme gekommen sind. Mit der nachweisslich geringsten Start-Kopienzahl und dem schmalsten Budget. Das war geil! Und auch, dass wir in Presse und Zuschauerrückmeldungen oft hervorragende Kritiken bekommen haben, baut ungeheuer auf. Wir haben die besten Vorraussetzungen, ein kleiner Hit auf DVD zu werden und neben dem Online-Vertrieb auch einen TV-Sender zu finden, der uns ausstrahlt. Was wiederum heissen kann, dass wir alle am Schluss noch Geld sehen werden.
Wenn man mich heute fragt: “Würdest Du so ein Projekt wie REALITY XL noch einmal angehen”, würde ich antworten: “Auf jeden Fall! Es war die umfassenste Erfahrung, die ich je beim Film gemacht habe”. Ich habe gelernt wie vielschichtig und umfangreich in meinem Beruf gedacht- und gearbeitet werden muss und wie scharf die Klinge ist, auf der wir alle stehen. Und ich habe erfahren, wie unglaublich schwierig es in der Zukunft für uns Filmschaffende werden wird, wenn sich Internet und TV einmal zu einer großen Flatscreen vereinigt haben, die in jedem Wohnzimmer an der Wand hängt.
Trotz aller Schwierigkeiten und Unwägbarkeiten: Es war das bis jetzt schönste berufliche Jahr in meiner Karriere. Noch nie habe ich soviel Nähe von Freunden und Kollegen gespürt, habe soviel Kämpfe mit mir selbst geführt und bin daran gewachsen. Und um nichts anderes geht es im Leben – deswegen mein Rat an alle, die mir und uns in diesem Blog und auf der Facebook Seite gefolgt sind: Seid mutig, riskiert alles, lebt einzigartig. Das Leben belohnt solch eine Haltung mit Erfahrungen, die zu Wissen und damit zu mehr Zufriedenheit führt.
Ich danke meinem Team, meinen Schauspielern, meinen Freunden und der wunderschönen Stadt Diessen mit ihren aussergewöhnlichen Bewohnern für das gemeinsame Stück Weg, … das mit REALITY XL auf DVD und im TV gewiss noch seine Fortsetzung finden wird. Ich danke der deutschen Filmbranche, die dieses Projekt nach Kräften unterstützt hat und ich danke den 20 Kinos(und deren Besitzern), die sich zum “probieren” entschlossen haben. Ich danke Hans Franek, Heiner Lauterbach, Max Tidof und Martin Zwanzger im besonderen – sie wissen warum. Und ich danke all denen, die bis jetzt offen genug waren sich einen andersartigen, deutschen Film auf der großen Leinwand anzuschauen – und/oder ihn sich ihn auf DVD reinziehen werden.
Für Euch haben wir gearbeitet!

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Wars das?

Die Kinotour ist absolviert und ich habe die erste Nacht mal wieder durchgeschlafen. Menno, bin ich platt. Aber schon gehts weiter – im März steht das nächste Kinoprojekt auf dem Plan und will vorbereitet werden. Diesmal bin ich “nur” Regisseur und arbeite im Auftrag. Kaum habe ich den Hintern aus dem Bett, klingelt schon das Telefon: Der erste dienstliche Anruf wegen dem neuen Film. Es gilt die ersten Entscheidungen zu treffen. In anderer Sache.
Wehmut steigt auf.
Wars das mit REALITY XL?
Was sollen wir noch machen? Das Ding läuft im Kino – die zweite Woche ist angekündigt …vielleicht noch vor die Kinos stellen und Passanten in die Vorstellungen lotsen? Es ist gelaufen. REALITY XL ist auf der grossen Leinwand. Der Rest kommt von alleine oder er kommt nicht.
Viele Folks fragen inzwischen schon nach dem DVD-Release, weil der Film nicht in ihrer Stadt läuft. Die Crew um REX-FILMer Christoph Schmidt steht schon bereit um die Werbung für den DVD-Release zu übernehmen.
Nue schickt noch ein Foto: Franek, Heiner, Tidof, Nue, Annika und ich bei der abschliessenden Umarmung nach unserem Event in Augsburg. Das letzte Mal, dass wir in unserer “REALITY”-Konstellation zusammen standen. Ich fürchte wirklich: Das wars.
Aber ich bin -wie gesagt- fix und foxi. Vermutlich hab’ ich deswegen den Blues.
Mann, was war das für eine geile Zeit!

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Ab 12 Jahren ???

Nach inzwischen drei Sneak-Previews mit zusammen über 1500 Zuschauern (!) deutet sich ein sehr deutlicher Trend an: Kids unter 16 Jahren reagieren in der Regel verwirrt und enttäuscht wenn wir sie mit REALITY XL in die Welt des CERN und der Quantenphysik entführen. Nicht gerade verständnisfördernd für diese Zuschauergruppe ist die sehr spezielle Form unseres Films (Verhör).
Die “Über-achtzehn-Jährigen” hingegen, die sich neben den physikalischen Phänomenen auch mit dem Fragen nach der Entstehung des Lebens und dem Sinn des Ganzen beschäftigt haben, kommen in der Regel recht bereichert aus dem Film. Wie auch inzwischen sehr viele Journalisten, die nicht nur dem Thema sondern auch der Machart unseres Projektes einiges abgewinnen können.
Als uns die FSK mitteilte , dass unser Film ab 12 Jahren freigegeben ist, haben wir uns sehr gefreut. Naiv wie wir waren. Denn welcher 12-16 jährige hatte in der Schule schon Quantenphysik und weiss überhaupt, was im CERN getrieben wird? Ebenso hat man als Teen und Twen sicherlich andere Primärinteressen, als sich mit Sinn und Unsinn unserer Lebensform und dem Stand der Forschung darüber zu beschäftigen.
Durch die Sneaks sind wir uns nunmehr sehr sicher, dass wir hier im Web und auch in der Presse sehr deutlich machen werden, dass unser Film zwar vom Jugendschutz ab 12 Jahre freigegeben ist, sich aber in der Regel an ein Publikum wendet, das deutlich über 16 Jahre alt ist. Das heisst allerdings nicht, dass nicht auch jugendliche Wissenschafts-Freaks und Sinn-Sucher in REALITY XL gehen sollten. Im Gegenteil! Aber allen anderen Kids, die Kino zurecht als lockere Freizeitgestaltung betrachten, raten wird dringend vom Besuch unseres Streifens ab. Wir wollen kein Geld verdienen, indem wir jemanden enttäuschen.
An dieser Stelle möchte ich mich aber auch noch sehr für die vielen positiven und konstruktiven Rückmeldungen und Besprechungen bedanken. Sei es in der Presse oder auch bei uns im Blog und auf unserer YouTube-Seite. Knapp eine Woche vor dem offiziellen Filmstart bin ich mir sicher, dass REALITY XL seinen Weg gehen wird.
Button von Handwerk-Bergstrasse

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SNEAK – Previews

Das war für uns der Härtetest: Mit einem deutschen No-Budget-Indie-Film in fünf Multiplexe zur Sneak-Preview (man weiss als Besucher nicht, was für ein Film laufen wird). Nachdem ich schon einmal in einer Sneak mitbekommen habe, dass nach dem Anfangstitel die Hälfte der Kinozuschauer wieder draussen waren (nachdem sie mitbekommen haben, dass Jennifer Lopez mitgespielt hat) habe ich für unser ungewöhnliches Teil schon fünf leere Kinos gesehen. Ist ja auch ‘ne harte Nummer: da erwartet der typische Großstadt-User einen Mainstream-Film und kriegt unser wissenschaftsorientiertes Verhör im Radom/Raisting präsentiert.
Das ist ungefähr so, als würde ich einen Tabledance-Laden besuchen und statt flotter Girls einen Vortrag über Korruption zu sehen kriegen. Ich denke, ich wäre auch erst mal platt.
Wie sagte es der Chefdisponent vom Mathäserkino in München so schön: “Eine Sneak-Preview von REALITY XL in diesem Kino würde die Erwartung unseres Publikums enttäuschen”. Dementsprechend war ich geimpft und habe den großen Shit-Storm im Web erwartet. Aber: der blieb aus.
Es gab zwar auch schwer genervte Kommentare in den Blogs und auf unserer YouTube Seite, aber eben auch freudiges Erstaunen und viel Zuspruch. Zudem hatten wir bei den Wertungen in den Sneak-Foren meist unterm Strich einen Mittelwert – hätte ich nicht gedacht, bei dem Thema und der Machart. Und im Kino geblieben sind die Allermeisten. Wir wurden kontrovers beurteilt – in allen Bereichen … das macht es die User neugierig, sich eine eigene Meinung zu bilden. Geil.
Mich hats trotzdem manchmal ziemlich aus dem Sattel gehoben, wenn sich da so ein Web-Anonymus aufs primitivste ausgekotzt hat. Ohne Namen lässts sich halt klasse meckern. In Deutschland.
Den anderen SNEAK-Besuchern sei gedankt: Für ihre Offenheit, ihre Fähigkeit sich auf Unerwartetes einzulassen und dabei fair zu bleiben. REALITY XL ist auf dem Weg und wird mindestens ein Achtungserfolg. Das weiss ich seit gestern Abend.

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Thank you very much !!!

Die Plakate sind raus, die DCPs auf dem Weg in die Kinos und die Programmhefte reisen durch Deutschland zu ihren Bestimmungsorten – die Verleih-Logistik bis zum Kinostart ist bestanden. Es beginnt langsam die “staade Zeit” und ich erinnere mich, wie es letztes Jahr vor Weihnachten aussah: Da waren wir drei Wochen vor Dreh und es war alles andere als sicher, dass das Abenteuer “REALITY XL” gut ausgehen würde.
Und so ist es nur natürlich, dass ich mich heute einmal ganz, ganz herzlich bedanke. Und zwar im Generellen bei der deutschen Filmbranche. Dass ich soviel Unterstützung von Teammitgliedern, Schauspielern, Dienstleistern und Funktionsträgern für dieses aussergewöhnliche Projekt erhalten würde, habe ich vor einem Jahr nicht erwartet. Man sagt ja immer: “Filmbranche – Haifischbecken!” und meint damit, dass es bei uns besonders fies und gnadenlos zugeht. Ich habe in den letzten zwölf Monaten genau das Gegenteil erfahren: ohne die generelle Offenheit der deutschen Film- und Fernsehschaffenden wäre REALITY XL nicht zustande gekommen. Die Aussetzer (oder besser gesagt: Aussitzer) mancher Filmverleiher seien hier einfach mal vergessen, denn ich weiss inzwischen was es heisst einen Film zu starten. Da kann man wirklich manchmal mutlos werden.
Ein ganz besonderes Dankeschön geht an die Kinobesitzer- und Betreiber. Dort sind wir mit unserem Projekt wirklich auf die größte Neugierde und Unterstützung gestossen. Danke, dass Ihr uns spielt und uns mit PR und Aktionen vor Ort (Beispielhaft: das Cinemaxx in Augsburg) unterstützt.
Der größte Dank aber gilt meinen Freunden Hans Franek und Heiner Lauterbach. Es ist einfach klasse, Euch an meiner Seite zu wissen.

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