Heute rief mich ein Regie-Kollege an, den ich länger schon nicht mehr gesprochen hatte. Er erkundigte sich nach der Entwicklung unseres Indie-Projektes REALITY XL und erzählte dabei auch, wie er mit der Einreichung von einem “guten Stoff” bei einem öffentlich-rechtlichem Sender gescheitert ist.
Nun mag es sehr relativ sein, was mein Kollege so als “gut” bezeichnet, aber er ist wirklich bekannt, hat einiges an Preisen gewonnen und gilt als Querdenker in der Branche. Seiner Meinung nach setzen sich in den Sendern immer mehr die Verwalter durch, also Kollegen, die nichts mehr riskieren sondern auf die sichere Nummer setzen. Was sollte ich sagen?
Ich bin seit mehr als einem Jahr senderfern unterwegs, mache Kino, drehe im Frühjahr gleich den nächsten Film für die grosse Leinwand und fabriziere in der Zwischenzeit Spots für die freie Wirtschaft. Und mir geht’s gut dabei. Vor allem mental, denn ich muss nicht, wie mein Kollege, von Redaktion zu Redaktion laufen um an Jobs zu kommen.
Wie richtig war es, die Initiative zu übernehmen und selbst was auf die Beine zu stellen. Wa! Gottseidank habe ich’s, trotz übervoller Hosen, getan. Die Erfahrungen mit REALITY XL sind Gold wert und auch die vielen guten Kollegen die ich während meiner Produktions- und Verleihzeit getroffen habe und immer noch treffe, eröffnen mir neue Horizonte.
Also habe ich meinem Anrufer gesagt, dass wohl nicht die Trägheit seines Umfeld sein Problem ist, sondern seine eigene. Es zwingt ihn niemand auf dem schon eingetreten Weg weiter zu latschen, bis er blutige Füsse hat. Er kann sich entscheiden etwas Neues zu probieren. Und daher sollte er an seiner eigenen Courage arbeiten, anstatt sie von anderen für seine eigene Arbeit einzufordern.
Es ist leicht auf die anderen zu zeigen – es ist schwer sich selbst an der Nase zu packen. Es werden sicher noch harte Zeiten vor und nach dem Kinostart von REALITY XL kommen. Wenn ich dann anfangen sollte hier im Blog über Andere oder die Umstände zu jammern, dann bitte ich eine gute Seele mich an diesen Artikel hier zu erinnern.